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Wikipedia erklaert Tysabri

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Zwei PML-Erkrankungen unter Tysabri: Sofortiger Therapiestopp?

 verfasst von W.W.(R), 04.08.2008, 16:59

Liebes Forum,

ich schlage vor, eine Frage zu diskutieren, die sehr heikel ist. Dennoch ist sie so wichtig, dass man sich nicht vor ihr drücken sollte.

Ich muss gestehen, dass ich die Brisanz der beiden neuen PML-Erkrankungen erst erkannt habe, nachdem mich die Beobachterin darauf hingewiesen hat:

"Tatsächlich reden wir über eine Katastrophe. Über 30.000 Menschen sind von einem grausamen Schicksal bedroht", schrieb sie, und das ist wirklich ein Satz, der einem das Blut in den Adern gerinnen lassen könnte.

Andere, Britta, z.B. hat mich gelobt, weil ich aus ihrer Sicht so besonnen reagiert habe, aber in Wirklichkeit bin ich seit zwei Tagen sehr besorgt. Ich denke, diese Art von Risiko, wie es unter Tysabri auftritt, ist anders als die üblichen „Risiken und Nebenwirkungen“, über die man sich von seinem Arzt oder Apotheker aufklären lassen soll.

 Es ist doch so: 80-90% von uns haben JC-Viren im Kopf, von denen wir nichts merken, weil es für ein funktionierendes Immunsystem ein Leichtes ist, sie in Schach zu halten. Aber was ist, wenn man dieses Immunsystem plötzlich abschaltet, bzw. einen wichtigen Teil davon? Dann schafft man für diese Viren im Gehirn einen in sich geschlossenen Raum ohne Lymphozyten, einen Raum, in dem genau das auf künstliche Weise realisiert wird, was das AIDS-Virus tut.

Hier geht es nicht um eine Überempfindlichkeitsreaktion wie nach einer Penicillinspritze, die sofort nach der ersten Dosis auftritt, oder eine Allergie, die sich sofort wieder zurückbildet, wenn man das Medikament wieder absetzt. Es geht darum, dass man, um es sehr krass auszudrücken, dass man ein sehr aggressives Virus im Gehirn freilässt. Man macht sozusagen die Gittertüren auf und zieht die Aufpasser ab.

 Ich weiß, man könnte mir vorwerfen, Panik zu schüren, aber man muss doch darüber sprechen: Hinsichtlich der Frage nämlich, was rate ich meinen Patienten, die sich mit Tysabri behandeln lassen? Wenn die genannten Überlegungen zutreffen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich immer mehr Viren langsam aus ihren Schlupflöchern befreien und ungehemmt ihr Zerstörungswerk beginnen.

Müsste man dann nicht sofort alle Tysabri-Behandlungen absetzen? Vorsichtshalber – bis man mehr weiß. Dann ist nämlich die Rechnung, dass bisher nur 2 von 32.000 erkrankt sind, eine Milchmädchenrechnung, denn im Laufe der Zeit könnten ebenso viele MS-Betroffene an PML erkranken wie es bei AIDS der Fall ist, und das sind, soweit ich weiß, knapp 5%.

 Das heißt, wenn unsere Befürchtungen (die der Beobachterin und meine), dann könnte bei einer Dauertherapie jeder 20. von dieser schwerstwiegenden Hirnkrankheit betroffen werden. Sicher, es gibt Experten, die mehr wissen als wir und sicher zurzeit ganz ähnliche Szenarien durchspielen, dennoch sollten auch wir darüber diskutieren, welche Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen sind, nicht zuletzt auch, um durch unsere Sorge andere zu sensibilisieren.

W.W.

Chefarztfrau.eruiert:

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