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Eisen läßt die Zellen atmen

Von allen Metallen ist uns Eisen wohl am meisten vertraut, weil wir ihm allerorten begegnen: in Form von gusseisernen Heizungskörpern, rostigen Eisenteilen, Werkzeugen, Rohren oder Kochgeschirr. Dass dieser kalte Werkstoff in unserem warmen, lebendigen Inneren etwas ausrichten kann, ist eigentlich unbegreiflich. Und doch ist Eisen eine Art Lebensmineral. So, wie unsere Lungen ständig Luft atmen, versorgt Eisen unsere 70 Billionen Körperzellen mit der für ihre Energiegewinnung nötigen "Atemluft".

Wie die Pflanzen atmen:

Ursprünglich gab es auf der Erde ja nur Pflanzen, die durch Photosynthese atmen, das heißt den für sie wichtigen Nähr- und Baustoff Kohlenhydrate entwickeln. Als es im reich der Natur an die Produktion von Lebewesen ging, die sich mit Hilfe von Flügeln, Flossen oder Beinen fortbewegen konnten, reichte die Photosynthese nicht mehr.

Wie wir zum Sauerstoff kamen:

Die äußerst aktiven Zellen jener Lebewesen mussten mit Energie vollgepumpt werden. Und da galt damals wie heute im Auto: Ohne Treibstoff geht gar nichts. Und: Treibstoff verbrennt nur durch Beigabe von Sauerstoff. Die Ingenieure der Natur standen also vor dem Problem, einen Treibstoff für die Zellen zu finden. Das waren Kohlenhydrate oder auch Fettmoleküle..

Dann mussten sie auch noch genug Sauerstoff übers Blut in die Zellen schaffen.

Zu diesem Zweck erschufen sie das Hämaglobinmolekül aus dem Eiweißstoff Globin und dem Häm, das Eisen enthält. Hämaglobin kann Sauerstoff aufnehmen, im Blut transportieren und an die Zellen abgeben. Weil die Hämaglobinmoleküle ganz rot sind und unser Blut rot färben, werden sie auch als Blutfarbstoff bezeichnet. Interessant ist übrigens, dass im Blut eines Menschen etwa 35 Milliarden rote Blutkörperchen kreisen, von denen jedes wiederum rund 300 Millionen Hämaglobinmoleküle enthält. Jedes rote Blutkörperchen transportiert mehr als eine Milliarde Sauerstoffmoleküle. Das ganze Hämaglobin-Eisen im Blut einer 50 Kilogramm schweren Frau wiegt dennoch nur 1,1 Gramm.

Ein Element, das Frauen häufig fehlt

Unser Körper braucht eine tägliche Zufuhr von zehn bis zwölf Milligramm Eisen. Wegen des hohen Eisen-Verlustes bei der Regel-Blutung brauchen Frauen bis zur Meno-Pause wesentlich mehr, zwischen 13 und 25 Milligramm, je nach Ausmaß der Blutverluste. Eisen-Mangel führt über erste Warnsymptome zu Anämie, der Blutarmut, die sich zunächst in so harmlosen Anzeichen wie Leistungsabfall, brüchigen Nägeln, Verstopfung und Kopfschmerzen äußert, später unter Umständen in Ohnmachtsanfällen, Atemnot, Herzjagen, Schweißausbrüchen, Angstzuständen und Übelkeit.

Wenn Eisen fehlt - die Warnzeichen:

Müdigkeit, Verstopfung, Libidomangel, brüchige Nägel, Atembeschwerden, Antriebsschwäche, Hautblässe, Risse im Mundwinkel, Konzentrationsschwäche, Kribbeln in den Füßen.

Höchstleistungen im Stoffwechsel:

Um einer Blutarmut (Anämie) vorzubeugen und alle Zellen mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen, muß unser Stoffwechsel im Knochenmark in jeder Sekunde zwei bis zweieinhalb Millionen rote Blutkörperchen produzieren und sie auch noch mit Eisen anreichern. Weil der Nachschub an Hämaglobin so außerordentlich wichtig ist, passt sich die Aufnahme über den Darm ins Blut der Nachfrage an. Ein gesunder Mensch entzieht dem Nahrungsbrei zwischen 10 und 15 Prozent seines Eisens, ein Mensch, der unter Eisen-Mangel leidet, zwischen 10 und 20 Prozent. Das Knochenmark eines gesunden Menschen ist zudem in der Lage, seine Produktion von Hämoglobin und roten Blutkörperchen bis ums sechsfache zu steigern.

Eisen wird recycelt:

Wenn die Hämaglobinmoleküle ihr Eisen samt Sauerstoff an die Zellen abgeliefert haben, werden sie natürlich nicht mehr gebraucht. Sie werden freilich nicht über den Urin ausgeschieden, sondern bis zu 90 Prozent recycelt. Dies geschieht vorwiegend in Leber und Milz, wo Fresszellen die alten roten Blutkörperchen einfach auffressen. Sie spucken danach das Eisen aus, das nun wieder für den bau junger roter Blutkörperchen zur Verfügung steht.

Eisenreiche Kost:

Besonders reich an Eisen sind Leber, herz, Zunge, Austern, mageres Fleisch sowie grünes Blattgemüse (wie z.B. Mangold oder Spinat), Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte (wie z.B. Bohnen, Erbsen, Linsen, Kichererbsen) und - als Nahrungsmittelergänzung - Melasse, das "Abfallprodukt" bei der Zuckerherstellung.

Wie kommt das Eisen ins Blut?

Wie jedes Kind weiß, gibt es nichts Unverwüstlicheres und Robusteres als Eisen. Um so erstaunlicher mutet es an, wie verletzlich das Spurenelement Eisen im Stoffwechsel ist. Ähnlich wie Kalzium oder Eiweiß braucht Eisen schon im Magen ein saures Milieu, also ausreichend Magensäure, um in seine Bestandteile aufgelöst werden zu können. Bestimmte Aminosäuren, Eiweißbausteine und Zucker helfen dem Eisen dabei. Wenn aber der Säurewert des Magensaftes zu niedrig ist und es bei der anschließenden Dünndarmverdauung an bestimmten organischen Säuren fehlt, werden die Eisen-Teilchen traurig. Sie müssen nämlich miterleben, wie alle anderen Nährstoffe flugs durch die Darmwand ins Blut schlüpfen, während sie selbst mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Am leichtesten haben es da noch die Eisen-Partikel in Fleisch, Fisch und Geflügel, weil die mit Hilfe bestimmter Eiweißteile durch die Darmschleimhaut transportiert werden.

Auch andere Faktoren hindern Eisen an seiner Reise ins Blut: eine zu rasche Darmpassage (bedingt durch Fehlernährung), Verdauungsstörungen unterschiedlicher Art, bestimmte Phosphatstoffe und Pflanzensäuren (z.B. in Bohnen, Spinat, Linsen, Grünkohl, Weizenkeim), Milcheiweiß, Sojaprodukte (Tofu), Weizen, Naturreis, Wal- und Haselnüsse, Erdnüsse, Kaffee und Tee sowie die Einnahme sogenannter Antacida.

Eisen unseren Lebensmitteln:

Kartoffeln, Blumenkohl, Karotten, Wurzelgemüse, Brokkoli, Tomaten, Kohl, Sauerkraut, Kaltwasserfisch, Hülsenfrüchte. Wichtig ist die Kombination der nahrungsmittel:

Sojaeiweiß kann z.B. die Eisen-Aufnahme fördern oder aber auch bremsen, während Soja-Sauce die

Eisen-Verwertung ankurbelt. Die Eisen-Aufnahme aus Kalbfleisch verringert sich, wenn Gemüse dazu

gegessen wird, und verdoppelt sich aus Bohnen und Mais, wenn Fleisch, bzw. vervielfacht sich, wenn Fisch dazu gegessen wird. US-Wissenschaftler haben festgestellt, dass das italienische Essen mit etwas Pasta (z.B Spaghetti), Brot, Fleisch, Orangen und Wein ideal für die Eisen-Aufnahme ist.

Wie und warum Eisen manchen Biostoffen die kalte Schulter zeigt und anderen gegenüber wieder so

kontaktfreudig reagiert, ist im einzelnen nicht restlos geklärt. Eines jedoch ist klar: Insbesondere Frauen vor der Meno-Pause müssen unbedingt auf optimale Eisen-Zufuhr und Verwertung achten. Während Männer täglich etwa ein Milligramm Eisen verlieren, ist es bei Frauen in der Meno-Pause oft um die Hälfte mehr.

Eisen hat viele Jobs im Stoffwechsel:

Im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten wird Eisen auf kleinen "Schiffchen" mit der Bezeichnung "Transferrin" transportiert, überallhin, wo es benötigt wird, vorwiegend in die "Rohbauten" der roten

Blutkörperchen im Knochenmark. Speziell die im Aufbau befindlichen roten Blutkörperchen können schnell viel Eisen aufnehmen.

Wofür Eisen wichtig ist:

Rote Blutkörperchen, Sauerstoffversorgung der Zellen, Zellatmung, Muskelgewebe, Enzymtätigkeit, Belastbarkeit, Herzfunktion, Hormonstoffwechsel, Zellteilung, Immunsystem.

Das Mineral spielt auch für die Produktion von Enzymen eine Rolle, und zwar bei der Arbeit wichtiger Eisen-Schwefel-Enzyme in der Atmungskette von Skelettmuskelzellen. Eisen-Mangel führt in diesem Fall zu ungenügender Belastbarkeit der Muskeln, man bekommt schneller einen Muskelkater, leidet überhaupt an Muskelschwäche und verringerter Leistungsfähigkeit. Vor wenigen Jahren glaubten Wissenschaftler noch, dass diese Enzyme auch bei Eisen-Mangel ausreichend hergestellt werden. Inzwischen jedoch hat man den fundamentalen Zusammenhang erkannt, der hier vorliegt, und weiß, dass Eisen-Mangel unmittelbar zu Enzymschwächen im Muskel führt.

Darüber hinaus führt ein Nahrungsmangel an diesem enorm wichtigen Spurenelement auch zu einer Schwächung von Enzymen, die gar kein Eisen enthalten. Typisches Beispiel dafür ist das kupferhaltige Enzym Monoaminooxidase, das im Nervensystem Glück, Euphorie und Optimismus bastelt, indem es bestimmte Eiweißstoffe (sogenannte Monoamine, z.B. Dopamine) zu "Happy-Machern" wie Noradrenalin abbaut.

Hoffentlich ist niemand eingeschlafen*bg*!

Bis zum nächsten mal...

 

Tom Bombadil