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VII. Typen der Multiplen Sklerose

Ein mit der Betrachtung der MS-Pathogenese zusammenhängendes Gebiet ist das des äußeren Erscheinungsbildes der Krankheit. Die meisten Fälle von MS beginnen mit einem schubförmigen Auftreten, worunter zu verstehen ist, daß es kurze Perioden gibt in denen neue Symptome auftreten oder alte sich verschlimmern (der sog. Schub) und lange Pausen, in denen die Symptome sich etwas zurückbilden oder sich stabilisieren (Remissionen). Bei typischen Fällen scheint es im Durchschnitt einen Schub pro Jahr zu geben (Sibley, 1992). Bemerkenswerterweise wurde durch kernspintomographische Untersuchungen herausgefunden, daß läsionenbildende Aktivitäten auch während Remissionen auftreten (Lai u.a., 1996). Damit scheint es in vielen Fällen so zu sein, als ob die Krankheit, bei zunehmendem und abnehmendem Charakter, im wesentlichen fortschreitend ist.

 

In vielen Fällen entwickelt sich die schubförmige MS zu einer sekundär progressiven (oder chronisch progressiven) MS, in der es keine klaren Schübe und Remissionen gibt, sondern nur eine schrittweise Verschlimmerung.

 

In manchen Fällen zeigt die MS sich nicht in schubförmiger Weise, sondern eine ziemlich rasche Verschlimmerung erfolgt von Anfang an. Dieser Typ der MS ist als primär progressive MS bekannt.

 

Unbehandelt kann die schubförmige MS einen höchst unterschiedlichen Verlauf im Bezug auf Behinderungen nehmen, obwohl ein Durschnittswert der Verschlechterung von einem EDDS Grad (eine Skala für den geschätzten Behinderungszustand) alle sechs Jahre dokumentiert wurde (Swank & Dugan, 1987; Sibley, 1992).

 

Jede angenommene Ursache der MS müßte in der Lage sein, die verschiedenen Typen der MS und die beobachtete durchschnittliche Verschlimmerungsrate zu erklären.