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XIV. Vorgeschlagene Behandlung

Eine wirksame Behandlung der MS hängt klar vom Wissen um die Ursache der Krankheit ab. Die Behandlung, die unten vorgeschlagen wird, geht davon aus, daß Ernährung die Hauptursache des Entstehens und des Fortschreitens der MS ist, weil sich dies am besten mit den ausgedehnten Erkenntnissen über die geographische Verbreitung deckt und theoretisch plausibel ist. Die Behandlung hat zwei Komponenten: 1.das Stoppen der Aktivierung von T-Zellen gegen das ZNS und die Reduzierung der Schäden an der BHS, und 2. die Kräftigung der BHS.

 

Stoppen der T-Zellenaktivierung und Reduzieren der Schäden an der BHS

 

1. Der erste Schritt zum Stoppen der T-Zellenaktivierung und der Reduzierung der fortgesetzten Reizung der BHS ist die wissenschaftliche Feststellung aller Nahrungshypersensibilitäten. Es gibt verschieden Methoden, Nahrungshypersensibilitäten zu testen (Bateson-Koch, 1994) und jede hat ihre Vorteile und Nachteile. Die drei zuverlässigsten Methoden, die wissenschaftlich begründet sind, werden weiter unten beschrieben und gewertet.

Für IgE-verursachte, unmittelbare Hypersensibilität ist der Hauttest die billigste und am leichtesten zugängliche Methode. Der Hauptnachteil dieser Methode ist, daß sie sich nur auf eine Komponente von Hypersensibilität (IgE) bezieht und damit im besten Fall nur sehr begrenzte Erkenntnisse über belastende Nahrungsmittel liefert. Wenn man nur solch einen Test anwendet, können leicht viele ernstere Nahrungshypersensibilitäten übersehen werden.

 

Eine zweite Methode um immunreaktive Nahrungsmittel festzustellen ist ein Bluttest, entweder die RAST- (Radioallergosorbent) oder ELISA - (enzyme-linked immunosorbent assay) Methodik. Jede dieser Methoden mißt die Menge verschiedener Antikörper, die produziert werden, wenn eine Blutprobe einem vorgegebenen Nahrungsprotein ausgesetzt wird. Die ELISA-Methodik ist etwas empfindlicher als RAST (Elgert,1996) und ist billiger auszuführen. Gewöhnlich werden sowohl IgE als auch IgG4 (eine Unterklasse von IgG, der verbreitetste Antikörpertyp) Antikörper gemessen. In einigen Tests werden alle vier Unterklassen von IgG gemessen. Die Vorteile dieses Testtyps ist, daß er keine Erreger eindringen läßt ("in vitro" - im Reagenzglas), sich einfach durchzuführen läßt, verhältnismäßig billig ist und die meisten üblichen Nahrungsmittel erfassen kann. Außerdem werden durch das Messen von IgG4 auch Nahrungsmittel, die eine verzögerte Hypersensibilität auslösen (z.B. Typ III Reaktionen), abgedeckt. Der Nachteil solcher Blutuntersuchungen ist, daß sie nur zu etwa 80 % genau sind und auch einzelne falsche Negativergebnisse vorkommen. Außerdem, da diese Tests nur die Antikörperproduktion messen, vermitteln sie keine Erkenntnisse über Nahrungsmittel, die die Aktivierung der T-Zellen gegen das ZNS (Typ IV Reaktion) direkt verursachen. Somit können die Erkenntnisse lediglich als Leitlinie für Nahrungssensibilitäten betrachtet werden unter dem Bewußtsein, daß weitere unentdeckt geblieben sein könnten.

 

Eine dritte Methode ist die Anwendung einer Elementardiät, gefolgt von individuellen Nahrungsprovokationen. Nahrungsmittel, die eine Reaktion verursachen und zu einem Symptom führen (z.B. Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Gefühllosigkeit usw.) werden leicht als Hypersensibilitäten auslösend erkannt. Diese Methodik ist vielleicht die zuverlässigste, um Nahrungsmittel zu erkennen, die Hypersensibilitäten verursachen, da sie die Körperreaktionen ("in vivo" - am lebenden Objekt) auf Nahrungsmittel einschließt. Auch Nahrungsmittel, die zu allen drei Typen von hypersensiblen Reaktionen führen, können erkannt werden. Die Nachteile dieser Methodik sind, daß sie sehr zeitraubend und potentiell teuer ist. Auch ist es etwas fraglich, ob MS-Symptome durchwegs bei Nahrungsmittelprovokationen offensichtlich werden.

 

Andere Bluttests, die helfen könnten Nahrungsmittel zu entdecken, die schädigende Immunreaktionen verursachen, sind der Zytotoxic-Test und ein Test der das Niveau von Immunkomplexen im Blut mißt. Die Beziehung der Resultate dieser Tests zu Nahrungshypersensibilitäten ist etwas diskussionswürdig, aber dennoch sind solche Ergebnisse zweifellos von einigem Wert.

 

Es gibt auch eine Anzahl von unkonventionellen Tests wie Muskeltest und Pulstest. Es ist schwierig, die Verläßlichkeit dieser Tests einzuschätzen, weil es keine theoretische Grundlage für die Beziehung zwischen Nahrungshypersensibilitäten und den gemessenen Wirkungen gibt, die auch nie wissenschaftlich gewertet worden sind. Ich würde vorschlagen, daß solche Tests nicht die oben angeführten wissenschaftlichen Tests ersetzen sollten bis mehr Erkenntnisse über ihre Verläßlichkeit und ihre wissenschaftlichen Grundlagen erlangt werden können.

 

Aus meiner Erfahrung empfehle ich eindringlich, alle Milchprodukte, Getreide, Hefe, Eier und Hülsenfrüchte vollständig zu vermeiden. Es sind die Nahrungsmittel mit dem höchsten Potential, die Aktivierung der T-Zellen gegen das ZNS zu verursachen. Ich würde auch die Anwendung des ELISA Blut-Allergietest empfehlen. (siehe Anhang). Er findet die meisten Nahrungshypersensibilitäten (Typ I, Typ III) und er vermittelt ein quantitatives Ergebnis. Wie dargestellt wurde, war der Test in der Therapie meines Sohnes sehr wertvoll und erfolgreich, und viele andere haben ihn ebenso als sehr informativ empfunden. Die Methode der Nahrungsprovokation kann in der Folge angewandt werden, wenn Probleme bleiben, nachdem alle durch ELISA gefundenen belastenden Nahrungsmittel aus der Ernährung ausgeschlossen sind. Außerdem sollte stets wachsam beobachten, wie aufgenommene Nahrungsmittel wirken und solche weglassen, die stets Mißbehagen und kleinere Symptome ( Müdigkeit, Kribbeln usw.) verursachen.

 

2. Wie erörtert wurde, ist MS teilweise die Folge einer undichten BHS, hervorgerufen durch nahrungsverursachte Immunreaktionen und hohe Aufnahme von gesättigten Fetten. Einer der Gründe dafür, daß nahrungsverursachte Immunreaktionen im Kreislaufsystem vorkommen, ist das Vorhandensein einer anderen undichten Stelle im Körper - eines undichten Darms. Ein undichter Darm heißt erhöhte Durchlässigkeit des Verdauungstrakts und führt dazu, daß Nahrungsproteine in der Lage sind, zwischen den Verdauungstraktzellen hindurch ins Kreislaufsystem zu gelangen. Dies setzt natürlich die zerstörenden Immunreaktionen in Gang, was schließlich zu verschiedenen Krankheiten einschließlich MS führt (Butkus und Mahan, 1986). Labors bieten Darmdurchlässigkeits-Tests an (siehe Anhang), obwohl ich denke, man spart Zeit und Geld und nimmt einfach an, man hat einen undichten Darm und unternimmt Schritte, ihn zu heilen. Verstärkte Durchlässigkeit hat verschiedene Gründe, einschließlich des Gebrauchs von NSAID (non steroidal anti-inflammatory drugs - nicht-kortisongestützte entzündungshemmende Medikamente), Infektionen, Pilzwucherungen, Parasiten, Aufnahme von allergieauslösender Nahrung, Alkoholismus und Traumen. Es ist wichtig, die Quelle des Problems (z.B. Pilzwucherungen) auszuschalten und verschiedene unterstützende Mittel zu nehmen, um den Darm zu heilen und zu schützen. Dazu gehören "Acidophilus"®, Enzyme, Fischöl, Borretschöl und Glutamin.

 

3. Schließlich, um gegen die Bildung von schädlichen Mikro-Embolien zu schützen, ist es wichtig, die Aufnahme von gesättigten Fetten auf 15 Gramm oder weniger am Tag zu verringern. Unter der Berücksichtigung dessen sollte man aufhören, jegliche Margarine oder rotes Fleisch zu essen. Swank und Dugan (1987) vermitteln viel Information über gesättigte Fette in Nahrungsmitteln und welche Nahrungsmittel man vermeiden sollte. Wie früher erwähnt, bieten diese Autoren auch eindrucksvolle Ergebnisse aus einer 35-jährigen Langzeitstudie dar, die die Wirksamkeit einer ultra-fettarmen Diät zeigt (Swank und Dugan, 1990). Diese Studie, die einzigartig in der MS-Forschung ist, wurde von Sibley (1992) verdreht dargestellt und falsch interpretiert.

 

Ich würde auch vorschlagen, daß man routinemäßig Cholesterintests machen sollte, um sicherzustellen, daß die fettarme Diät wirksam ist. Wenn der Cholesterinspiegel hoch bleibt, könnte man eine medikamentöse Therapie erwägen, um den Spiegel zu senken.

 

Stärken der BHS

 

Es gibt sehr wenig Literatur über mögliche Wege, die BHS zu stärken. Kürzlich wurde ein Aufsatz von T. Stout zu diesem Thema in eine Website gesetzt (http://spider.lloyd.com/~tstout/articles). Viel Information in diesem Abschnitt ist aus diesem ausgezeichneten Beitrag übernommen.

 

Tierexperimente haben gezeigt, daß es in diesem Zusammenhang drei chemische Stoffe gibt, Anthocyanoside, Proanthocyanidine und procyanidolische Oligomere, die die BHS stärken (Robert u.a., 1977; Detre u.a., 1986). Diese chemischen Stoffe werden in Blaubeeren, Kirschen, Brombeeren, Weintrauben und der Rinde und den Nadeln gewisser Nadelbäume gefunden. Sie sind momentan als Ergänzungsmittel in Kapselform zu haben und werden "Bilberry"® (in Deutschland würde sich hier etwa "Difrarel"® - aus Heidelbeeren, Wirkstoff Anthocyanosid, anbieten - allerdings 100 Kapseln zu DM 94.- - der Übersetzer), Traubensamenextrakt (in Deutschland eher Traubenkernöl) und "Pycnogenol"® genannt. Diese Ergänzungsmittel und/oder substantielle Mengen der obigen Früchte sollten täglich zugeführt werden, um die BHS zu stärken.

 

Die Anthocyanoside und Proanthocyanidine wirken als kraftvolle Antioxidantien, blockieren Enzym -wirkungen und verbinden sich mit der BHS, und es sind diese Eigenschaften, die wahrscheinlich zu einer förderlichen Wirkung an der BHS führen (wegen Einzelheiten siehe den Aufsatz von Stout). Andere anti-oxidante Ergänzungsmittel (weit weniger kräftig) umschließen Vitamin A (Dorschleberöl), Vitamin C (mit Bioflavonoiden) und Vitamin E. Diese, zusammen mit dem Vitamin B-Komplex und Vitamin D sollten täglich eingenommen werden. Kalzium und Magnesium als Ergänzung sind auch wesentlich und haben gezeigt, daß sie den MS-Verlauf wohltuend beeinflussen (Goldberg u.a., 1986).

 

Wie früher beschrieben, schädigen auch Mikro-Embolien, die als Folge hohen Verbrauchs an gesättigten Fetten gebildet wurden, die BHS. Um die Aufnahme gesättigter Fette zu reduzieren, sollte als Gegenmittel die Aufnahme an mehrfach ungesättigten Fetten erhöht werden. Solche Fette sind hilfreich bei der Auflösung von (Fett-)Plättchen und sind wichtig für das Zellwachstum und das Reduzieren von Entzündungen. Diese Fette umfassen nicht-raffiniertes Färberdistelöl, Sonnenblumenöl und Leinöl ebenso wie Nachtkerzenöl und Borretschöl in Kapselform. Kürzlich wurde wissenschaftlich nachgewiesen, daß Gamma-Linolensäure, der Schlüsselinhaltsstoff von Nachtkerzenöl und Borretschöl in hohem Maß Arthritisschübe reduzieren (Zurier u.a., 1996). Auch Fisch enthält wertvolle mehrfach ungesättigte Fette (Omega 3-Fettsäuren) und sollte mindestens zwei- oder dreimal pro Woche gegessen werden. Fischöl (z.B. Lachsöl) ist ebenfalls in Kapseln zu haben. Bemerkenswerterweise hat man bei Fischöl auch gefunden, daß es wohltuend auf eine andere Autoimmunstörung wirkt, auf Morbus Crohn (Belluzi u.a., 1996). Der interessierte Leser wird auf das ausführliche Buch von Erasmus (1993) verwiesen, das detaillierte Informationen über die schädliche Wirkung der einen und die wohltuende Wirkung anderer Fette vermittelt.