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X. Fallspezifische Daten

Ein schließliches Gebiet potentiell nützlicher Daten, sind fallbezogene Erkenntnisse bezüglich Genesungen von MS oder signifikante Verbesserungen im Verlauf der MS. Solche Daten werden ganz zu recht als "schwammig" betrachtet und vermitteln, wenn überhaupt, wenig gute Erkenntnisse, um die Ursache der MS zu interpretieren. Aus einem anderen Gesichtspunkt jedoch können diese unabhängigen Beschreibungen von positiven Veränderungen im MS-Fortschreiten eine weitere Prüfung jeglicher angenommenen Ursache darstellen. Wenn, zum Beispiel, Ernährungsfaktoren die Hauptursache der MS sind, dann könnte erwartet werden, daß eine Ernährungsumstellung, unter der Vermeidung von hypersensibilisierenden Nahrungsmitteln und hochgesättigten Fetten, ein wesentlicher Faktor in vielen der dokumentierten Fallbeschreibungen wäre.

 

Um dies zu prüfen, suchte ich nach allen Beschreibungen von "MS-Genesungsfällen", die ich in der Literatur, im Internet und durch Gespräche mit MS-Patienten finden konnte. Auf der Basis dieser Nachforschungsergebnisse scheint es tatsächlich so, als ob eine Ernährungsumstellung eine sehr wesentliche Behandlungsmethode ist, um positive Ergebnisse beim Aufhalten oder signifikanten Verändern des Fortschreitens der MS zu erreichen. Die vielleicht eindrucksvollste Aufzeichnung einer Genesung ist die von Roger MacDougall (1980), die in "My Fight Against Multiple Sclerosis" (Mein Kampf gegen die Multiple Sklerose) beschrieben wird. Mr. MacDougall war nahezu blind und an den Rollstuhl gefesselt und erreichte ein normales Gesundheits- und Aktivitätsniveau (über 35 Jahre lang), indem er er sich treu an eine fettarme, nahrungssensibilitätsfreie Ernährung hielt. Andere veröffentlichte "Erfolgs"- Aufzeichnungen, die eine Ernährungsumstellung als Haupttherapie benützten, umfassen die von Rachelle Breslow, Alan Greer, Judy Graham, Bob Lawrence, John Pageler und Brian Forbes. Ein Patient, der selbst von chronisch-progressiver MS (rollstuhlgebunden) durch Ernährungsumstellung zu einem normalen, gesunden Leben genesen ist, hat kürzlich auf einer Website eine Reihe von Genesungsberichten gesammelt (www.2cowherd.net/q).

 

Von besonderem Interesse ist eine wissenschaftliche Schrift (Meyer u.a., 1954) die vor über 40 Jahren veröffentlicht wurde, als "Allergie" ernsthaft als mögliche Ursache der MS erwogen wurde. Die Autoren beschreiben 17 Fallgeschichten von MS-Patienten, deren Symptome beträchtlich gelindert wurden durch das Vermeiden von festgestellten Nahrungs- und Atmungs- "Allergenen" (nicht IgE-vermittelt). Als wichtig merken die Autoren an, daß in Fällen, wo die betreffenden Substanzen wieder eingenommen wurden, auch die MS-Symptome wiederkehrten.

 

In einer anderen wohlbekannten Studie über Ernährungsumstellung berichteten Swank und Dugan (1987), daß 66 Patienten, die ihre tägliche Aufnahme von gesättigten Fetten auf weniger als 20 Gramm reduzierten, im Durchschnitt über einen Zeitraum von 35 Jahren nur sehr unwesentliche Schubvorgänge erfahren haben. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu 31 Patienten, die einer solchen fettarmen Diät nicht folgten und im Laufe derselben 35-jährigen Studie einen sehr schweren Schubverlauf erlitten. Es sollte angemerkt werden, daß solch eine fettarme Diät auch eine sehr reduzierte Aufnahme solcher Nahrungsmittel mit sich bringt, die am ehesten hypersensible Reaktionen verursachen (Milchprodukte, Körner, Eier). Diese eindrucksvollen Ergebnisse sind vielleicht der am besten dokumentierte Nachweis der heilsamen Wirkung einer Nahrungsumstellung auf den Verlauf der MS.

 

Und was ist mit meinem Sohn? Ich ließ meinen Sohn auf der Basis des hier vorgestellten Konzepts auf Nahrungssensibilitäten testen. Er kam zurück mit zahlreichen signifikanten Hypersensibilitäten, wobei Milchprodukte, Hülsenfrüchte und Eier sehr problematisch waren. Nachdem er anfing die betreffenden Nahrungsmittel zu meiden und sich an eine sehr fettarme Diät hielt, verschwanden eine Anzahl "leichterer" Beschwerden, die ihn jahrelang gequält hatten, vollständig. Darunter fielen Nachtschweiß, Kopfschmerzen, Hautblutungen, Nasenkatarrh, leichtes Händezittern und leichte Überempfindlichkeit. Diese Beschwerden hängen mit entzündlichen Reaktionen zusammen und sind bei MS-Patienten sehr verbreitet (Swank und Dugan,1987). Alle seine MS-Symptome verschwanden ebenso und eine darauffolgende neurologische Untersuchung erbrachte keine neurologischen Defizite. Zweifellos war eine solch eine drastische Ernährungsumstellung schwierig, aber mein Sohn sah es philosophisch als DIÄT oder ROLLSTUHL. Dies vermittelt den notwendigen Ansporn, getreu an seinen strikten, aber absolut wichtigen Diätgrundsätzen festzuhalten. Die letzten 15 Monate hat er sich einer vorzüglichen Gesundheit erfreut.

 

Bemerkenswerterweise haben eine Anzahl von MS-Patienten, die die erste "Ausgabe" dieses Aufsatzes, der Anfang 1996 ins Internet gegeben wurde, gelesen hatten, von deutlichen Verbesserungen durch eine Ernährungsumstellungs-Therapie berichtet. Ein Beispiel ist der Fall von Deidre, der von ihrer Mutter beschrieben wurde und unten wiedergegeben wird.

XI. Deidres Fall

von Barbara MacLellan

 

"Deidre erkrankte im Alter von 11 Jahren an MS, und das Krankenhaus setzte sie auf Kortison, was von begrenztem Nutzen war. Mit 25 begann sich ihr Zustand ziemlich rasch zu verschlechtern: zuerst wurde ihre Sehfähigkeit getrübt und sie entwickelte einen Nystagmus (Augapfelzittern). Ihr ganzer Körper verfiel in Krämpfe und Steifheit; dann verkrampften sich Kopf und Hals und zitterten die ganze Zeit. Die linke Hand und der Arm begannen zu zittern als hätte sie eine Schüttellähmung. Dann begann auch ihre rechte Hand zu zittern und sie war unfähig selbst zu essen, zu schreiben oder ihre Zähne zu putzen. Deidre bewegte sich auch immer den Wänden entlang und brauchte einen Rollstuhl, wenn sie irgendeine Entfernung überwinden wollte. Kognitiv war Deidre sehr verwirrt und unfähig ihr Universitätsstudium fortzusetzen. Sie war fürchterlich erschöpft. Die Diagnose hieß chronisch-progressive MS.

 

Im Februar wurde ein Hilfsappell an die Internet Newsgroup alt.support mult-sclerosis. Ashton Embry sandte uns seinen Aufsatz über MS und schlug vor, daß Deidre sofort mit allen Milchprodukten, Gluten und Eiprodukten aufhören sollte.Wir entschlossen uns, seinem Ratschlag zu folgen und gingen noch einen Schritt weiter, indem wir Gluten, Milchprodukte, Huhn, Kartoffeln, Zucker, Koffein und Aspartam (Süßstoff, z.B. in Nutrasweet, d. Übers.)) wegließen. Sie aß hauptsächlich große Mengen Gemüse, Reisprodukte, Lamm, Fisch und Früchte.Wir ließen sowohl RAST als auch ELISA Tests durchführen, die das Vorhandensein vieler deutlicher Allergien bestätigten. Deidre begann auch verschiedene unterstützende Mittel einzunehmen, wie "Bilberry"®, Seetang, Vitamin B und C, Dorschleberöl, Efamol und Selen.

 

Ihr Kopfschütteln legte sich zuerst, und bald fühlte sie sich nicht mehr "blöd und verwirrt". Während der letzten neun Monate hat sich Deidre bis zu einem Punkt erholt, wo ihre Arme und Hände nur noch minimal zittern und sie wieder ihr Essen selbst schneiden kann. Ihr Körper verfällt nicht mehr in Krämpfe, sie kann wieder schreiben und kann längere Distanzen ohne Hilfe gehen. Deidre zeigt jede Woche schrittweise Verbesserungen und wir sind zuversichtlich, daß Deidre in einem weiteren Jahr fast symptomfrei sein wird."

 

Obwohl die obige Fallbeschreibung nicht als starker Nachweis dafür angesehen werden kann, daß Ernährungsfaktoren die Hauptursache für MS sind, glaube ich, daß solche Beschreibungen doch wichtig sind, um die Ernährungsfaktortheorie, die auf den dargestellten geographisch-epidemologischen und wissenschaftstheoretischen Daten aufbaut, zu sehr unterstützen.